Pfarrei Hildegundis von Meer

Meerbusch

"Bedenkt ...

Symbol-Kerze-mit-Adventschmuck (c) Birgit Hellmanns
Symbol-Kerze-mit-Adventschmuck
Di 26. Nov 2019
Norbert Viertel

„Bedenkt die gegenwärtige Zeit:
 Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf.
Denn jetzt ist das Heil uns näher
als zu der Zeit, da wir gläubig wurden.
Die Nacht ist vorgerückt.
Der Tag ist nahe.
Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis
und anlegen die Waffen des Lichts.
Legt als neues Gewand den Herrn Jesus Christus an.“ (Röm 13, 11.12.14)

Am 1. Advent entzünden wir die erste Kerze. Eine schöne Zeit liegt vor uns, reich an Gerüchen und Liedern. Weihnachtsmärkte laden ein. Viele von uns freuen sich auf den Glühwein, auf die kleine Verabredung am Abend, auf die Stimmung lichterfüllter Städte. Dass mit dem Advent auch ein neues Kirchenjahr beginnt, könnte fast untergehen. „Wir sagen euch an, den lieben Advent“ – singen wir. Tore und Türen gehen auf. Eine alte Melodie: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Eine frohe Erwartung liegt in der Luft. Mit den Worten Jochen Kleppers: „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern“... Die Adventslieder singen von einer großen Hoffnung. Sie sind besinnlich, aber auch kämpferisch, sie erzählen von den Erfahrungen der Nacht, aber auch von dem anbrechenden Morgen. Die Adventszeit braucht Lieder, alte und neue.  Wir singen von einer großen Hoffnung. Der Apostel Paulus – wir hören von ihm in der zweiten Lesung des 1. Adventssonntags– schreibt der kleinen christlichen Gemeinde in der Weltstadt Rom (die sich für den Nabel der Welt hält), wie eine Hoffnung anfängt. Doch, auch Hoffnung muss klein anfangen. Sie fällt nicht vom Himmel, sie liegt nicht auf der Straße Hoffnung beginnt mit dem – Aufstehen. Das ist ein mutiger Akt. Paulus denkt an die Nacht, die wir zurücklassen. Bewusst, gewollt, gewagt. Seine Begründung: Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe!  „Der Tag“ ein Ausdruck dafür, dass Gott kommt – „der Tag“ ist sein „Tag“. Sein Morgen. Seine Zukunft. Auch sein Gericht. Jetzt gilt es, die Nacht hinter sich zu lassen. Aufstehen. Sich anziehen. Nicht mit den Alltagsklamotten. Mit dem Festgewand. „Legt als neues Gewand den Herrn Jesus Christus an“. Es ist auch ein Bild für die Taufe. Eine Erinnerung. Ein Versprechen. Ich gehöre zu ihm – er gehört zu mir. Wir gehen jetzt gemeinsam. Ohne dass Paulus das sagen muss: Jesus hat die Finsternis mit seiner Liebe hell gemacht. Den Streit und die Eifersucht auch. Wir können aus dem Bann des Bösen heraustreten, wenn wir es wollen. Alles, was uns gefangen nimmt, hält uns nicht. Von einer großen Hoffnung singen heißt, mit anderen in dem Licht glücklich zu sein, dass uns mit Wahrheit und Liebe beseelt. Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Der größte Feind der Hoffnung ist die Müdigkeit, der Schlaf. Auch wir Christen, werden manchmal müde. Wir sollten es merken und beschreiben. Beklagen oder bedauern müssen wir das nicht. Wir legen es in Gottes Hand. Auch Christen können hart sein, hart gegen sich selbst. Dann bekommt das Schuldgefühl das letzte Wort – und macht alles klein, was wir machen. Bedrängend. Geradezu angstmachend. Dann hilft es Gott um Mut und um Vertrauen zu bitten. Durch die frohmachende Botschaft des Advent wird müden Menschen eine neue Hoffnung geschenkt. Wir haben das Heil der Welt nicht in Händen. Unsere Verantwortung bleibt nur menschlich. Wir können nur tragen, was in unsere Hände passt. Aber: Er kommt: Er hat das letzte Wort. So, wie er auch das erste hatte. „Es werde Licht“ – und: siehe, es ward Licht. Von der Hoffnung singen heißt, es mit Tod und Teufel aufzunehmen. Können wir etwas anderes sein als – wachsam? Wach sind kleine Menschen sehr groß! Wir sollten gerade heute wachsam sein, um einem bereits überwunden geglaubtes rückwärtsgewandtes Denken, um Ignoranz, und Borniertheit in Gesellschaft, aber auch gelegentlich in der Kirche und in unseren Gemeinden nicht in die Hände zu fallen. Wir entzünden die erste Kerze. Es ist 1. Advent. Eine schöne Zeit liegt vor uns. Mit vielen kleinen und großen Hoffnungsgeschichten. Mit Leckereien für die Seele. Mit dem Geschmack des Lebens auf der Zunge. Diese Geschichten fallen uns nicht immer gleich ein, manchmal verstecken sie sich auch hinter angeschlagenen und sorgenvollen Mienen. Aber wir sollten sie uns gegenseitig erzählen, ihnen eine Gelegenheit geben, anderen Mut zu machen. Jeder von uns hat viel zu sagen! Wir freuen uns: Für eine neue Geschichte sind wir nicht zu alt. Es ist Advent. Ein bescheidener Anfang. Eine zweite, dritte, vierte Kerze wird sich dazu gesellen. Das Licht wächst. Danach können wir von einem Kind singen, das alle Welt erhält und trägt. So heißt es in einem Weihnachtslied.

Ich wünsche Ihnen einen wachsamen Advent und ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Ihr
Pastor Norbert Viertel