Pfarrei Hildegundis von Meer

Meerbusch

Die Heilige Woche mit(er)leben

Herzen (c) 2012 Klaus Trautmann
Herzen
Mo 1. Apr 2019
Norbert Viertel

Die Heilige Woche mit(er)leben

Das „Oster Triduum“, die drei österlichen Tage vom Leiden und Sterben, von der Grabesruhe und der Auferstehung des Herrn, bilden die Mitte des liturgischen Jahres. Sie werden mit der Feier vom letzten Abendmahl am Gründonnerstagabend eröffnet. Diese Tage erzählen nicht nur die letzten Ereignisse im Leben Jesu, sondern sie bilden eine Einheit und sind nur im Zusammenhang zu verstehen. Was Jesus am Gründonnerstag im Zeichen der Fußwaschung vollzieht und mit der Stiftung der Eucharistie schenkt, ist die symbolische Vorwegnahme dessen, was sich am Karfreitag ereignen wird, wenn Jesus seinen Freunden nicht mehr nur die Füße waschen und sich nicht nur in Brot und Wein darreichen, sondern sein ganzes Leben verschenken wird. Als bleibendes Zeichen für diese Liebe Jesu, wie sie größer nicht mehr sein kann, schenkt Jesus die Eucharistie, in der er sich mit seinem Leib und seinem Blut, d.h. mit seinem ganzen Leben und seiner Person verschenkt. Wer diese Liebe Jesu empfängt, ist dazu berufen, sich das Handeln Jesu zueigen zu machen und sich das Christsein etwas kosten zu lassen. Denn im Zeichen der Fußwaschung erweist Jesus seinen Freunden seine Liebe, indem er ihnen ein Beispiel gibt. Genauso will sich auch die Verwandlung von Brot und Wein in der Eucharistie fortsetzen in der Verwandlung des Lebens nach der Eucharistie, indem wir uns in der Gemeinde als lebendiges Brot bewähren. Der Karfreitag offenbart, dass der Kreuzestod Jesu von Gott her das Geschenk der Versöhnung mit den Menschen und der ganzen Schöpfung ist. Am Kreuz Jesu wird Gott offenbar als der Lebendige, der die Sünde des Menschen von Grund auf überwindet. Nirgendwo ist Gott stärker als in seiner am Kreuz Jesu ausgehaltenen Schwäche und nirgendwo ist Gott hilfsbereiter als in seiner Hilflosigkeit am Kreuz Jesu. Gerade im Durchtragen der schmerzlichen Ferne kann der Karfreitag Jesu auch zu einem Trost an den Karfreitagen unseres Lebens werden. Der Karfreitag bildet im Drama der Heiligen Woche den absoluten Tiefpunkt. Er mutet uns zu, diesen Tiefpunkt auszuhalten und zum Ort des Kreuzes zu gehen, an dem auch heute Gott gefunden und erkannt werden will. Wer den Weg Jesu in der Heiligen Woche mitgehen will, darf den Karsamstag nicht vergessen, den Tag zwischen Kreuzigung und Auferstehung, Leben und Tod. An diesem Tag hat Gott den Menschen wohl verlassen. Das Kreuz ist leer, der Leichnam fort. Die Freunde des Gekreuzigten sind wie vom Erdboden verschwunden. Sie haben kapituliert vor dem Ausgang der Geschichte. Müde sind sie und selber wie tot, so ohne Aussicht auf ein Zeichen der Hoffnung. Karsamstag, der Tag der Leere. Vom Morgengrauen bis tief in die Nacht nur das Nichts. Dieser mittlere Tag des Triduums ist vielleicht der rätselhafteste und unbekannteste heilige Tag der westlichen Christenheit. Auch in unserem Leben gilt es manchmal das Schweigen Gottes einfach nur auszuhalten. Wer diesen Tag, wie es immer häufiger zu hören ist, Ostersamstag nennt, hat wohl nicht verstanden, welche Bedeutung er für den Glauben und das Leben hat. In der Osternacht feiern wir schließlich, dass der Tod nicht alles einfach besiegelt. In dieser Nacht ist das Licht der Erlösung endgültig aufgegangen. Die frohmachende Botschaft dieser Nacht liegt darin, dass wir uns für jenes Licht öffnen, das von Gott kommt, und dass wir die Verheißung dankbar annehmen, die die Osternacht enthält. Diese Verheißung besagt, dass mitten in der Nacht des menschlichen Lebens hinein ein Licht aufgegangen ist: ein Licht, das in der Finsternis leuchtet. Die Osterliturgie lässt in die Nacht der Menschen hinein das dreimalige „Lumen Christi“ ertönen. Wir dürfen feiern, dass der Herr wirklich auferstanden ist. Nach und mit der Erfahrung des österlichen Lichtes werden wir wieder in die Nacht hinausgehen. Wir werden aber anders gehen als wir gekommen sind. Wir werden unser Leben verwandeln, wenn wir das österliche Licht in uns tragen. Hineintragen in unser persönliches Leben und in das Leben unserer Mitmenschen hinein, in das Leben unserer Gemeinden und zum Tatort unseres alltäglichen Lebens. Denn wir gehen unseren Weg als Menschen, die auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi getauft sind und damit im Zeichen jener österlichen Taufe, die wir in der Osternacht feierlich erneuern und bestärken lassen durch den auferweckten Herrn Jesus Christus. Der Ostersonntag verheißt, dass Gott auch heute gegen den Tod für das Leben kämpft. Seit Ostern will Gott sein Werk der Auferweckung nicht mehr ohne uns Christen tun. Er wartet auf unsere Mithilfe. Ja, er macht sich abhängig von unserer österlichen Auferweckungspraxis, um weiterzuführen, was er bereits vor Sonnenaufgang in der Dunkelkammer des Grabes Jesu gewirkt hat.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Kar- und Ostertage und die Freude des auferstanden Herrn,

Ihr Pastor Norbert Viertel