Pfarrei Hildegundis von Meer

Meerbusch

Leben auf Distanz

Symbol-Haende-mit-Herz (c) pixabay.com
Symbol-Haende-mit-Herz
Mo 23. Mär 2020
Norbert Viertel

Liebe Gemeindemitglieder,

die gegenwärtige Zeit in der Corona-Krise erlegt uns Verhaltensweisen auf, die uns fremd sind und die vielen Menschen auch Angst machen. Worte wie Kontaktverbot und Kontaktsperre rufen in uns Vorstellungen einer Isolation hervor, für die der Mensch längerfristig nicht geschaffen wurde. Wir sind soziale Wesen und suchen den Austausch und die Gemeinschaft mit anderen Menschen.
Aber auch im Leben Jesu gab es Momente der Isolation und Zurückgezogenheit.
Auch er hat sich nicht Tag und Nacht mit Menschen umgeben.
Er flüchtete oft, suchte einsame Orte auf, zog sich zurück, und die Leute mussten nach ihm suchen. Jesus hat sich zuweilen sehr harte Trennungen auferlegt.
So heißt es im Lukasevangelium: „Sein Ruf verbreitet sich immer mehr, so dass die Menschen von überall herbeiströmten. Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Doch er zog sich an einen einsamen Ort zurück, um zu beten.“ (Lk 5, 15 f.).
Jesus verbarg sich nicht bloß deshalb, weil er der Popularität ausweichen wollte, sondern auch, weil er beten wollte.
An einer anderen Stelle berichtet Lukas: „In diesen Tagen ging er auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott.“ (Lk 6, 12).
Er verließ die Leute also nicht nur eine Stunde, sondern er trennte sich wirklich von ihnen, er ging weg und verweilte im tiefen Gebet. Er ging sozusagen in Quarantäne. Dieses Wort ist aus dem lateinischen quadraginta (40) abgeleitet.
Gerade befinden wir uns in der vierzigtägigen Fastenzeit. Ein Zeitraum, um die Nähe und Distanz zum Ich, zu den Mitmenschen und zu Gott auszuloten. Eine Chance zur Erneuerung aller Beziehungen in der Erwartung des Osterfestes, dem Fest des Lebens, das keine Grenzen kennt.
Ertragen wir diese Zeit nicht nur als ein „Social Distancing“, gehen wir nicht einfach auf Abstand zum anderen, gehen wir gerade in dieser Zeit immer wieder bewusst mit Jesus in die Einsamkeit des Gebetes, das Menschen nicht voneinander isoliert, sondern tiefe Gemeinschaft mit ihm und untereinander ermöglicht.

 

anoroC*

Halten wir                      Verhindern wir     
zusammen,           eine Angst
ohne uns                        in der Angst,
an der Hand          eine Krise             
zu halten                        in der Krise.

Gehen wir                      Pochen wir darauf,
aufeinander zu,              dass unsere
ohne uns zu nahe  Herzen pochen
zu kommen.          für das Leben.

* umgedreht: Corona

Peter Schott

 

Wir laden Sie herzlich ein, sich jeden Abend um 19.00 Uhr am Gebet der Pfarrei zu beteiligen, eine Kerze in Ihr Fenster zu stellen und gemeinsam oder in Stille das Vater unser zu beten. Zum Klang unserer Kirchenglocken beten wir für die Menschen, die in der Wissenschaft gegen die Verbreitung des Coronavirus kämpfen, für die Kranken und die, die für die Erkrankten sorgen, alle Helfenden und Regierenden und für die Verstorbenen.

Ihr Pastor Norbert Viertel