Pfarrei Hildegundis von Meer

Meerbusch

Liebe Leserin, lieber Leser,

Natur-Blüten im Frühling (c) Birgit Hellmanns
Natur-Blüten im Frühling
Mo 1. Jul 2019
Maria Pesch

diese Gedanken habe ich Ende Mai, kurz nach der Europawahl geschrieben.

Am Freitag vor der Wahl haben Jugendliche in ganz Deutschland und anderen europäischen Ländern zu einer XXL Demo „Fridays for Future“ aufgerufen. So auch in Krefeld, meiner Heimatstadt. Die Schülerinnen und Schüler haben alle Altersgruppen, ausdrücklich 30 + und die Senioren eingeladen an der Demo in ihrer Stadt teilzunehmen.

Egal ob 30 + oder Seniorin, ich fühlte mich angesprochen und war um 11 Uhr am Krefelder Hbf. Von dort starteten etwa 2000 Menschen, wir zogen friedlich und ohne Zwischenfälle durch die Innenstadt zum Rathaus.

Auf dem 5 km langen Weg habe ich verschiedene Jugendliche angesprochen; und war erstaunt über deren fundiertes Wissen zu Themen wie: Plastik vermeiden, Erderwärmung ausbremsen, vereinbarte Klimaziele der Vereinten Nationen einhalten, weltweite Überfischung der Meere und Artensterben verhindern, usw.

Unsere Unterhaltung beschränkte sich also nicht auf allgemeine Parolen oder oberflächliche Stammtischreden.

Die Schülerinnen und Schüler erzählten, dass sie sich im Unterricht mit diesen Themen ausführlich befasst haben. Sie nannten mir die Fächer: Erdkunde, Deutsch, Politik, Geschichte und Kunst.

Das Unterrichtsfach Religion war in der Aufzählung nicht dabei.

Das hat mich überrascht und irritiert! Ist die Bewahrung der Schöpfung nicht ein großes Thema und ein bedeutsamer Auftrag nicht nur aller christlichen Kirchen?

In der Schöpfungsgeschichte lese ich diesen Auftrag Gottes an uns Menschen:

Gott segnete die Menschen und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, bevölkert die Erde und unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen! (Genesis 1, 28)

Hier sind wir Menschen  von Gott beauftragt, über unsere Erde zu herrschen.

Das Wort „herrschen“ meint  im Alten Testament oft das Herrschen von Königen. In der Schöpfungsgeschichte bezieht es sich jedoch zuvor auf die Sonne:

Gott machte die beiden großen Lichter, das größere, das über den Tag herrscht, das kleinere, das über die Nacht herrscht, auch die Sterne. (Genesis 1,16)

Wir Menschen sollen also über die Erde herrschen wie Sonne und Mond. Beide großen Lichter schenken Leben und zerstören nicht. Die Sonne und der Mond beuten nicht aus. Gott ist es, der die Welt schafft und sie mit allem versorgt, was sie braucht. Einzig daran soll sich unser  „Herrschen“  über die Erde ausrichten: am Handeln und an der Liebe Gottes!

Ich wünsche und hoffe, dass wir Christen beim großen Thema Bewahrung der Schöpfung im Boot bleiben oder ehrlicher gesagt wieder einsteigen.

Das ist besonders für junge Menschen wichtiger denn je. Jugendliche sind die Zukunft. Helfen wir ihnen die Schöpfung zu bewahren, achtsamer mit den Gütern der Erde umzugehen und diese mit allen Menschen und Generationen zu teilen.

Maria Pesch, Gemeindereferentin