Pfarrei Hildegundis von Meer

Meerbusch

Monatswort Januar

Wunderkerzen

Wunderkerze (c) Martha Gahbauer
Wunderkerze
Datum:
Mo. 1. Nov. 2021
Von:
Irmgard Bromkamp

Als ich Kind war, hatten wir am Silvesterabend ein ganz besonderes Spiel.

Ich weiß nicht, ob wir 4 Kinder es uns selbst ausgedacht haben, oder ob unsere Mutter dieses Spiel kannte. Jedenfalls durften wir nach dem Abendessen noch etwas länger aufbleiben. Der Tannenbaum wurde noch einmal angemacht. Mein Vater holte eine Schachtel mit Wunderkerzen und wir Kinder Papier und Stifte. Die Wunderkerzen wurden an den Tannenbaum gehängt und jeder von uns hatte nun die Aufgabe, in der Zeit, in der die Wunderkerzen ihr Licht versprühten, all die Ereignisse aufzuschreiben, die schön waren im vergangenen Jahr. Natürlich konnten wir nur kleine Stichpunkte aufschreiben, aber dennoch füllten sich die Zettel schnell. Meine beiden Brüder mussten natürlich sofort zählen und vergleichen, wer die meisten Stichpunkte aufgeschrieben hatte. Aber darum ging es nicht. Vielmehr wurde es danach so richtig schön, denn reihum erzählte jeder von uns, auch meine Eltern, was ihnen an Schönem des vergangenen Jahres eingefallen war. Die Stichpunkte halfen dabei. So freute sich meine Schwester noch immer, dass sie bei den Bundesjugendspielen die Beste ihrer Klasse war, mein Bruder, dass er die kleine Katze aufpäppeln konnte, mein Vater war dankbar, dass eine Kuh (wir hatten einen Bauernhof) bei der Zwillingsgeburt nicht gestorben ist. Und so ging es weiter immer reihum, jeder erzählte von einem Ereignis. Und ehe wir uns versahen, war es auch schon sehr spät. Dann haben wir noch einmal Wunderkerzen angezündet. Zum einem, um Gott zu danken, wie viele schöne Momente und wie viele Lichtblicke er uns geschenkt hat und zum anderen, dass er uns solch schöne Momente auch im kommenden Jahr schenken möge.

Gerne denke ich an diese Silvesterabende meiner Kindheit zurück. Und ich bin dankbar, so einen Blick für das Gute und Schöne im Leben gelernt zu haben.

 

Ein gesegnetes altes und neues Jahr!

 

Irmgard Bromkamp, Krankenhausseelsorgerin