Pfarrei Hildegundis von Meer

Meerbusch

Oasenzeit in der Fastenzeit - Rendezvous mit Gott

„Unbezahlbar“

Tisch-in-St.-Cyriakus (c) Kerstin Müllers
Tisch-in-St.-Cyriakus
Di 16. Apr 2019
Birgit Hellmanns

Oasenzeit in der Fastenzeit - Rendezvous mit Gott

„Unbezahlbar“

Am Samstag, den 06.04.2019 um 20.00 Uhr feierten wir gemeinsam in der Kirche Sankt Cyriakus in Meerbusch-Nierst Gottesdienst.

An diesem besonderen Abend am Ende der Woche konnten wir mit meditativen Elementen, Impulsen und Musik zur Ruhe kommen.

Diese Gottesdienstform fand bereits zum vierten Mal statt.
Ort des Geschehens ist immer die wunderbare kleine Kirche Sankt Cyriakus in Nierst.

Zur Oasenzeit lade ich seit zwei Jahren jeweils einmal in der Fastenzeit und einmal im Advent ein, um mit guter Musik und Texten zum Weiterdenken, Sackenlassen und Meditieren „Gott zu feiern“.
Grundlage stellt das jeweilige Sonntagsevangelium dar, das zu Auseinandersetzung, Gespräch und Begegnung auffordert. Im Anschluss an den Gottesdienst steht die Einladung zur Begegnung im Kirchenraum bei Wasser, Wein und Brot.

Die Idee zu dieser Gottesdienstform kommt aus dem ursprünglichen gottesdienstlichen Gedanken.
Ich fragte mich: Wie feierte Jesus Gottesdienst? Ihm war das stille Gebet, die gottesdienstliche Gemeinschaft in Begegnung und die Auseinandersetzung mit dem Großen, das wir „Gott“ nennen, wichtig. Jesus feierte „Gott“.

Zum Feiern gehören Menschen, kostbare Gedanken und gute Musik. In diesem Gedanken lade ich im Rahmen der Oasenzeit zweimal im Jahr ein, die ich textlich vordenke und die musikalisch von meiner Kollegin Birgit Hellmanns und ihrer Gitarre getragen wird.

Am 6. April 2019 stand das Evangelium der Ehebrecherin in der Mitte.

Wir fragten uns:
Wie nah liegen Sünde und Vergebung?
Wie schnell geraten wir in Strudel von Gruppendruck?
Verurteilung gelingt schnell und laut und eifrig, doch wie sieht es mit Vergebung aus?
Wie wertvoll ist es, gemeinsam als Christen immer wieder mit Versöhnung beschenkt zu sein?
Kann Schuld zu Versöhnung und Klarheit führen?

Vertieft wurden diese Fragen durch das Bedenken der Bedeutung des Wortes: „Unbezahlbar“.

 

Was ist unbezahlbar?
Ich erlebe viele Dinge,
Situationen ergeben sich,
Menschen begegnen mir.

Zusammen leben,
Leben gestalten,
gestaltend Weg gehen.

Ich habe nicht das Recht
Menschen zu bewerten,
Sie zu verurteilen.

Unbezahlbar
Ist die Erfahrung von Verführbarkeit in Verbindung mit
dem Geschenk der Versöhnung,
Unbezahlbar
Ist die Erkenntnis der Liebe,
Ist die Erfahrung der Umkehr.

Nicht käuflich
Kann sein
Die Wertschätzende Begegnung,
Das Erleben Gottes im Anderen.
(Kerstin Müllers)

 

Dem Beispiel des Kunstprojektes von Johannes Volkmann folgend machten wir uns Gedanken darüber, was für uns „Unbezahlbar“ ist:

Auf den großen Plätzen von Akko, von Bochum, von Galway, von Barcelona steht ein Tisch. Es ist immer ein anderer, aber er sieht immer gleich aus. Darauf stehen mit Packpapier ummantelte Teller.

Passanten sind eingeladen, darauf zu schreiben. Die Frage lautet auf der Welt gleich: Was ist unbezahlbar? Viele Teller werden dicht beschrieben, auf anderen steht nur ein Wort.

„Uns hat die Sehnsucht nach der Frage getrieben, wie wir Menschen auf dieser Welt zusammenleben wollen“, sagt Volkmann.
Vier Jahre lang zog er mit seinem Kunstprojekt „Unbezahlbar“ um die Welt.

Was unbezahlbar ist, lässt sich nicht mit Geld kaufen. Aber es lässt sich davon träumen. Mitgeträumt haben auch Menschen in Bethlehem:
Von Freiheit, Frieden und Freundschaft. Eben davon, was uns Menschen heute satt machen kann.

Auch wir begannen in diesem Gottesdienst von diesen Schätzen zu träumen, die uns so wertvoll sind, die uns tragen.
Wir dachten beispielsweise an Kinderlachen, Gemeinsam schweigen zu können, den Moment im Jetzt, an das Geschenk der Familie und an symbolisch „offene Türen“.

Die biblische Frau, die aus der Mitte herausgeholt wird, gab uns Beispiel für einen unbezahlbaren Moment in ihrem Leben. Die Geschichte eröffnete Perspektiven und zeigte uns die Unkäuflichkeit von gelungenem Leben.

Jesus ist nicht bestechlich, er lässt sich nicht verführen. Er weist auf das Wesentliche im Miteinander hin.

Gemeinsam wurde gemalt, geträumt und geschrieben auf dem gemeinsamen Tisch - gedanklich verbunden mit dem großen länderübergreifenden Tisch. Es wurden Gedanken auf den Tisch gebracht über jenes, was für uns unbezahlbar ist, denn es war allen klar geworden:

Das Unbezahlbare kann uns sättigen.

Kerstin Müllers,
Gemeindeassistentin in der Pfarrei Hildegundis von Meer
Kontakt: kerstin.muellers@bistum-aachen.de