Pfarrei Hildegundis von Meer

Meerbusch

„Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muss zur Anerkennung führen.“

Symbol - Handschlag - Toleranz (c) pixabay.de
Symbol - Handschlag - Toleranz
Datum:
So 30. Aug 2020
Von:
Klaus Trautmann

„Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein:

Sie muss zur Anerkennung führen.“

(Johann Wolfgang von Goethe)

 

In meinem Garten halte ich es mit Franz von Assisi, der seinen Bruder Gärtner angewiesen hat: „Jäte nicht alles Unkraut aus, sondern lasse etwas davon in einem kleinen Eck wachsen“.

Eine bemerkenswerte Aussage, die mir im Nachdenken über Toleranz eingefallen ist. Das, was wir landläufig als Unkraut bezeichnen sind ja wertvolle Beikräuter, die zum Gleichgewicht in der Natur beitragen.

Toleranz bzw. tolerieren bedeutet: ertragen, erdulden, aushalten, aber auch zulassen. Tolerant sein heißt dann: Standpunkte und Aktionen anderer, die ich selber nicht teilen kann, aushalten und auch zulassen. Immer vorausgesetzt, dass sie im rechtlichen Rahmen stattfinden.

Toleranz hat ihr Fundament im Respekt vor der Würde jedes Menschen. Diesen Respekt schulde ich meinen Mitmenschen, aber auch mir selbst.

Das Unkraut, das die meisten immer zuerst beim anderen sehen, gibt es eben auch in mir selber. Aber wie geht’s mir mit meinen unliebsamen Seiten, mit meinem Wildwuchs oder dem inneren „Schweinehund“? Es tut gut, zu mir selbst respektvoll und tolerant zu sein.

Und wie schnell sind wir mit dem Bewerten dabei! Brennesseln im Garten! Unkraut, weg damit! Doch ohne Brennesseln keine Schmetterlinge: Die Raupen von Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Admiral  leben an und von Brennesseln und können nicht einfach auf andere Pflanzen ausweichen. Außerdem hilft Brennesseltee bei Muskelschmerzen und Hautekzemen.

Respekt und Toleranz helfen uns, nicht allzu vorschnell zu bewerten. Lassen wir dem Unkraut – oder respektvoller gesagt den wertvollen Beikräutern - ruhig ihren Platz.

Dann werden wir vielleicht angenehm überrascht, dass die Standpunkte und Aktionen anderer doch eines Tages die Schmetterlinge hervorbringen und insgesamt für uns alle heilsame Wirkung zeigen. Wenn diese Toleranz dann auch zu ehrlicher Anerkennung führt sind wir auf einem guten, gemeinsamen Weg!

 

Maria Pesch, Gemeindereferentin

 

 

 

Gott,

mit unterschiedlichsten Merkmalen hast du uns ausgestattet:

Herkunft und Hautfarbe, Alter und Geschlecht,

ethnische Zugehörigkeit und kulturelle Tradition,

religiöse, politische und sexuelle Orientierung,

Ängste und Hoffnungen, Träume und Visionen.

Aber in uns allen ist die Sehnsucht nach Anerkennung und Geborgenheit.

Befreie uns von der Blindheit, die nur einen Weg für alle sieht.

Löse uns von allen Fesseln der Vorurteile und Gleichgültigkeit.

Schenke uns den Geist der Geschwisterlichkeit und Solidarität.

Nimm von uns alle Angst,

wir würden verlieren, wenn wir selbst gezogene Grenzen öffnen.

Lass uns aufeinander zugehen in Respekt und Freiheit,

und lass uns aufbereiten das Feld der Versöhnung,

damit sie wachsen können in Vielfalt und im Übermaß:

die Früchte deines Reiches.

Amen

 

Autor: Christian Zoidl