Pfarrei Hildegundis von Meer

Meerbusch

Wir können auch anders leben!

Symbol-Herzstein-in-Hand (c) Birgit Hellmanns
Symbol-Herzstein-in-Hand
Mo 2. Mär 2020
Irmgard Bromkamp

Mit dem Aschermittwoch hat die Fastenzeit begonnen. Doch welchen Sinn hat die Fastenzeit heute? Wie kann ich sie so gestalten, dass sie nicht ihren Sinn verfehlt? Im Evangelium des Aschermittwochs spricht Jesus vom Beten und Fasten und von dem rechten Umgang mit Almosen (Mt, 6,1-6.16-18).

Diese drei Verhaltensweisen werden immer wieder mit der Fastenzeit im christlichen Sinn in Verbindung gebracht: Almosen geben, Beten und Fasten sind aufeinander bezogen und stehen in einem Zusammenhang. Blicken wir einmal genau hin, worauf es Jesus ankommt und was heute damit gemeint sein kann: „Dein Almosen soll verborgen bleiben...“ (Mt 6,4) Durch die unterschiedlichen Hilfsorganisationen haben wir inzwischen die Möglichkeit, so zu spenden, dass diejenigen, die unser Geld empfangen, nicht herabgewürdigt werden und uns direkt zu Dank verpflichtet sind. Aber wir sind nicht immer frei von dem Gedanken, dass diejenigen, die unsere Almosen/Spenden erhalten, uns dankbar sein müssen. Wenn wir uns jedoch bewusst machen, wie oft Andere für unseren Wohlstand zu einem unwürdigen Lohn arbeiten müssen, weil sie auf den geringen Lohn angewiesen sind, dann drehen sich viele Vorzeichen um. Nicht die Armen müssen dankbar sein, dass sie etwas von unserem Wohlstand abbekommen, sondern wir müssen uns darum sorgen, dass wir die Not der anderen nicht ausnutzen. In den Worten von Papst Franziskus klingt das so: „Darum gibt es für jeden, der ein würdiges und erfülltes Leben zu führen wünscht, keinen anderen Weg, als den anderen anzuerkennen und sein Wohl zu suchen.“ (EVANGELII GAUDIUM, S. 6) Wir können auch anders Almosen geben: wir können zum Wohl aller das teilen, was wir bekommen haben.

Jesus sagt im Bibeltext weiter: „Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.“(Mt 6,6) Wenn ich die unterschiedlichen Schicksale von Menschen sehe, von Ihren Sorgen und Nöten erfahre, dann fühle ich mich oft ohnmächtig. Gutes Leben für alle, das scheint manches Mal ein zu großes Projekt zu sein. Die Haltung des Betenden ist von Hoffnung geprägt. Hoffnung, dass mit Gottes Hilfe manches möglich ist, was wir für unerreichbar ansehen. Beten, als Hoffen wider alle Vernunft. Wir können auch anders beten: Wir können den Alltag durchbrechen, die Hoffnung nicht aufgeben und uns von Gott anrühren zu lassen.

Jesus sagt als drittes: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler“ (Mt 6,16) Immer wieder machen wir unser Glück auch vom Besitz abhängig. Erst wenn ich die besondere Kaffeemaschine, das edelste Biogemüse ... kaufen kann, dann bin ich glücklich und mach kein finsteres Gesicht mehr. Und dann? Werden wir wirklich glücklicher, wenn wir nur das Beste für uns wollen? Wovon ist unser Glück abhängig? Eigentlich gibt es von allem, was der Mensch zu einem guten und erfülltem Leben braucht genug, so dass gutes Leben für alle möglich ist. Es muss nicht immer das Beste für uns sein. Diese Beobachtung hat Franz von Assisi zu der fast schon zu einfachklingenden Lösung gebracht: „Wenn jeder einzelne darauf verzichtet, nur das Beste anzuhäufen, dann werden alle genug haben.“ Wir können auch anders Fasten: wir können weniger nehmen um anderen zu geben.

Ich hoffe, dass die nun beginnende Fastenzeit unser Bewusstsein schärft für die Möglichkeiten, die uns gegeben sind. Wir können auch anders leben!

Irmgard Bromkamp, Gemeindereferentin