Liebe Leserinnen und Leser,
nach einem extrem heißen Sommer hat am 01. September meteorologisch der Herbst begonnen. Wir spüren es an den kühleren Morgenstunden. Die Tage werden kürzer, die Schatten länger. Auch der Herbst hat sonnige Tage, aber die Wärme der Sonne ist wohltuend und erträglich. Dieser Wechsel der Jahreszeiten ist weit mehr als nur ein Wetterumschwung. Er lehrt uns, dass wir Menschen ein Teil von Gottes Schöpfung sind. Der Rhythmus der Natur will uns Halt und Verlässlichkeit schenken. Im ersten Buch der Bibel finden wir die tröstliche Zusage: „Niemals, so lange die Erde besteht, werden Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht aufhören.“ (Gen 8,22)
In Zeiten großer Umbrüche und Veränderungen, die uns in allen gesellschaftlichen Bereichen mit atemberaubender Geschwindigkeit ereilen und uns bisweilen ratlos werden lassen, wird uns im Herbst nicht nur die Vergänglichkeit vor Augen geführt. Die herbstlichen Monate sind auch eine Zeit der Dankbarkeit, der Ernte und des Sammelns. Der österreichische Psychiater Viktor Frankl (1905-1997) sagt: „Für gewöhnlich sieht der Mensch nur das Stoppelfeld der Vergänglichkeit; was er übersieht, sind die vollen Scheunen der Vergangenheit. Im Vergangensein ist nämlich nichts unwiederbringlich verloren, vielmehr alles unverlierbar geborgen.“ Mehr als andere Zeiten wird der Herbst zum Bild des Lebens, auch darin, wie er uns hilft wahrzunehmen was bleibt. Er ist eine Zeit zwischen Sommer und Winter, Aufkeimen und Vergehen. Das Erntedankfest erinnert uns daran, wem wir unser Leben und die Früchte des Lebens verdanken. Eingebunden in den Wechsel der Zeiten zwischen Aussaat und Ernte, Arbeit und Ruhe bringen wir in jedem Gottesdienst unseren Dank vor den Gott des Lebens, der die Freude am Menschen noch nicht aufgegeben hat.
Ihr Pastor
Norbert Viertel