Liebe Leserinnen und Leser,
in einer Zeit mit vielen Unsicherheiten haben Christen in diesem Jahr die vierzigtägige Fastenzeit
begonnen. Fasten ist weder ein frommer Selbstzweck noch mit einer Schlankheitskur zu verwechseln,
sondern meint eine religiös begründete Konzentration auf Wesentliches mit dem Ziel der leiblichen,
aber auch der geistigen und seelischen Erneuerung.
Oft geht es zunächst einmal nur um eine besondere Wertschätzung und Aufmerksamkeit für das Leben. Schließlich ist christliches Fasten vor allem eine innere Praxis: Zentral ist die Festigung und Reifung im Glauben gegenüber den
eigenen Unfreiheiten sowie das Ziel, sich für Gott und die Mitmenschen zu öffnen. So wird "fasten"
zum „festhalten“ in der Wahrnehmung. Das Gebet wird zur hoffnungsvollen Zuflucht zu Gott, ein
Anerkennen der menschlichen Unfähigkeit, den Frieden selbst und nachhaltig schaffen zu können.
Zu groß und unbeherrschbar sind oft die realen Machtverhältnisse, die inneren und äußeren Widerstände.
Was können wir tun? Mit persönlichem Gebet, Fasten und Nächstenliebe dem Geist der
Versöhnung in uns Raum geben und den Gott des Lebens um das Geschenk des Friedens bitten.
Mit dem ganzen Gewicht unserer inneren Kraft Gott darum bitten, dass die Friedensbemühungen
im ganz persönlichen Leben und in den großen Zusammenhängen der Weltpolitik gelingen werden.
Wir können um Weisheit, Besonnenheit und Versöhnungsbereitschaft für uns und all jene beten,
die in dieser Situation entscheiden. Schließlich bringen uns Gebet, Fasten und konkrete Hilfe
allen Menschen näher, die in Not und Bedrängnis sind und die unschuldig unter Krieg und Unterdrückung
zu leiden haben. Die Fastenzeit führt uns den Weg einer besonderen Aufmerksamkeit für
das Leben und zeigt uns, dass das innere Ringen um das Gute in uns und in der Welt wirklich weiterführt
und wirksam wird.
Damit gewinnen wir Klarheit darüber, dass nur aus dem Frieden mit Gott
der Friede unter den Menschen wachsen kann. In der Fastenzeit sind wir als Menschen eingeladen,
diesen Frieden weiterzutragen. Lassen wir uns in diesen 40 Tagen der Erneuerung einen
Weg zur Freiheit aufzeigen und lernen wir in den verschiedensten Lebenssituationen den Weg des
Friedens zu entdecken und umzusetzen. Denn nur gemeinsam können Menschen den Frieden in
die Welt tragen. Stehen wir auf diese Weise in den kommenden Wochen der Vorbereitung auf das
Osterfest zusammen für den Glauben und die Hoffnung ein, dass auf unserer von Gott geschaffenen
Erde die Auferstehung und das Leben und nicht Tod und Zerstörung das letzte Wort haben
werden.
Ihr Pastor
Norbert Viertel